„Wer nicht zahlt, sagt etwas.“
Zahlungsverzug ist oft Feedback. Eine Geschichte mit Klaus.
Vor drei Wochen ruft Meyer bei Silke an: Der Preis auf der Rechnung passt nicht zur Kampagne. Silke gibt es weiter.
Ein paar Tage später ruft Meyer noch einmal an und reklamiert. Gleichzeitig schreibt er dem Vertrieb. Eine Antwort kommt nicht.
Wieder ein paar Tage später, Montagsrunde.
Silke schaut auf.
Stille.
Für Udo ist die Nichtzahlung der erste Hinweis. Für Silke war es der dritte.
Was hat Meyer eigentlich reklamiert, und wo ist das hängen geblieben?
Was ist da gerade passiert?
Schauen wir uns Meyers Weg an.
Denn der Kunde hat die Macht, nicht oder nur teilweise zu zahlen.
Zahlung ist echtes Feedback.
Nur selten heißt nicht zahlen: kein Geld. Meistens heißt es: Ich bin nicht einverstanden. Aus Kundensicht ist etwas schiefgelaufen: falscher Preis, falsche Menge, was auch immer.
Umgekehrt gilt: Pünktliche Zahlung ist ein Gesundheitszeichen.
Für Finanz hat das eine Folge. Sie plant mit dem Zahlungsziel, zum Beispiel 30 Tage. Bleibt eine Rechnung offen, weil etwas zu klären ist, werden daraus schnell 60. Dann stimmt die Liquidität nicht mehr, und der Forecast auch nicht.
Nach meiner Erfahrung ist Zahlung als Feedback die Königsdisziplin. Kunden sagen etwas, beschweren sich, eskalieren, beantworten Fragebögen. Das stärkste Signal ist die zurückgehaltene Rechnung, weil sie sofort Aufmerksamkeit bekommt.
Fairerweise: Kunden machen das nicht gern. Wer Zahlungen zurückhält, tut es nicht aus Schadenfreude. Es ist sein letztes Mittel der Kommunikation.
Klaus bittet das Team: „Ich möchte alle Kunden sehen, die in den letzten 60 Tagen nicht oder nur teilweise gezahlt haben.“ Silke und der Vertrieb prüfen, ob es zu diesen Kunden Beschwerden oder Eskalationen gab.
Er fragt sich: Was brauche ich mindestens, damit ich so etwas früh sehe?
Was man mindestens braucht, damit man es früh sieht
Zahlung
Wer zahlt nicht oder nur teilweise?Und seit wann?Rückmeldungen
Beschwerden und Eskalationen.Aus den letzten 60 Tagen.Zusammenhang
Was wurde vorher gesagt?Was hat der Kunde vor dem Abzug gesagt, und wer hat es gehört?Und wenn es doch passiert? So könnte der Weg aussehen
Klaus ruft Meyer an, bevor die nächste Mahnung rausgeht. Er fragt nicht nach dem Geld, sondern danach, was Meyer gesagt hat. Und er sagt dem Team: „Es wird Zeit, dass wir einen gemeinsamen Kommunikationsprozess von Auftragseingang bis Zahlung festlegen.“
Das können Sie mitnehmen
Wenn Sie wollen, machen Sie es wie Klaus: Nehmen Sie die Kunden, die in den letzten 60 Tagen nicht oder nur teilweise gezahlt haben, und prüfen Sie, ob es dazu Beschwerden oder Eskalationen gab.
Wenn Sie ein Thema einmal aus Sicht Ihrer Kunden, Ihres Alltags und Ihrer Zahlen zusammenbringen wollen:
30 Minuten offener Austausch.
Weitere Themen finden Sie in der Werkstatt.