1 · Kicker + Titel
Umsetzungswerkstatt · Voice of Customer

„Der Score fragt nach gestern.“

Wie ein Unternehmen die Stimme des Kunden an den Tisch holt. Eine Geschichte mit Klaus.

2 · Szene

Management-Runde bei Klaus. Der Score ist gegenüber dem letzten Quartal gefallen.

„Wissen wir, warum?“Klaus

Jeder Bereich hat seine Erklärung. Der Vertrieb sagt: „Die Preise.“ Der Service sagt: „Die Wartezeiten.“ Der Fachbereich sagt: „An uns lag es nicht.“

„Also mehrere Faktoren. Gut. Dann schauen wir nach vorn: Was braucht der Kunde künftig, damit er sich darüber nicht mehr beschwert?“Klaus

Stille. Dann Silke, Leiterin Kundenservice. (Sie zögert.)

„Der Score fragt nach gestern. Er fragt nach dem Erlebten. Nach der Zukunft hat ihn keiner gefragt.“Silke
3 · Klaus fragt sich
Klaus fragt sich

Klaus sieht in die Runde. Drei Erklärungen, drei Vermutungen. Keine kommt vom Kunden, und keine sagt, was er künftig braucht.

Wann hat er zuletzt einen Kunden gefragt, was er in Zukunft wirklich braucht?

4 · Schnitt · 5 · Was ist da gerade passiert?
Hier verlassen wir Klaus kurz

Was ist da gerade passiert?

Voice of Customer ist gut, und der Score auch. Aber der Score ist der Rückspiegel: Er fragt, wie Kunden es erlebt haben. Er ist gefallen, weil Kunden etwas anders empfunden haben, als sie es erhofft hatten.

Interessant wird es, wenn man den Rückspiegel mit operativen Kundendaten füllt: Umsatz, Retouren und Wartezeiten je Kunde. Und noch mehr, wenn die Frage nach vorn dazukommt: Was braucht der Kunde künftig?

Dann zeigt sich: Verschiedene Kundengruppen brauchen Verschiedenes. Top-Kunden wollen etwas anderes als kleine Kunden, und das Feedback wird danach gewichtet.

Denn entscheiden kann man nur über etwas, das man versteht.

6 · Warum passiert es dennoch?

Warum bleibt das Warum oft offen?

Dafür gibt es verschiedene Gründe:

Antwort

Eine Stimme ist nicht der Kunde.Wer antwortet, spricht für sich. Wer sechsmal im Jahr anruft, empfindet vielleicht anders als einer, der täglich bestellt. Und je weniger antworten, desto weniger Gruppen kommen zu Wort.

Zeitpunkt

Der Score kommt nach dem Ereignis.Er bewertet, was war. Was der Kunde künftig braucht, erfährt man nur durch Fragen.

Alltag

Der Score spiegelt oft den Alltag, den man schon kennt.Wackelt ein Ablauf, wackelt der Score. Neues steht selten darin.
7 · Merksatz · 8 · Ich-Erfahrung
Der Score fragt nach gestern.
Was der Kunde morgen braucht, sagt er nur auf Nachfrage.

Wer früh weiß, was der Kunde künftig braucht, kann handeln, bevor aus einem Gedanken eine Beschwerde wird. Aber man kann nicht jedem Feedback nachrennen: erst nach Kundengruppen gewichten, dann handeln.

Aus meiner Erfahrung

Fast ein Jahrzehnt habe ich mit Voice of Customer gearbeitet, mit Befragungen nach dem Kontakt und mit regelmäßigen. Voice of Customer ist ein starkes Instrument. Es wirkt dort, wo daraus Gespräche und Entscheidungen werden.

Ein Muster blieb gleich: Kunden eskalieren in Stufen. Erst ein Gedanke, dann eine Bemerkung im Gespräch, dann die Beschwerde, dann der schlechte Score oder der verärgerte Anruf, dann die Drohung, dann der zurückgehaltene Zahlungseingang, dann der Wechsel. Ein Score erscheint spät auf dieser Treppe. Das Gespräch kann früher dabei sein.

9 · Klaus handelt · 10 · Spur A: Dass es seltener passiert
Zurück zu Klaus

Klaus gibt Silke eine neue Aufgabe: das Kundeninterview. Mit dem Vertrieb wählt sie einen Kundenmix aus, groß und klein, alt und neu. Die erste Frage: Was brauchen Sie in den nächsten Monaten wirklich von uns?

Silke hört Sätze, die in keinem Report stehen. Einer sagt: „Eure Rechnungen verstehe ich nicht, ich rufe jedes Mal an.“

Klaus legt die Antworten neben Umsatz und Retouren je Kunde. Ein kleiner Kunde mit kaum Umsatz wünscht sich Erreichbarkeit am Wochenende, die großen Kunden wollen das nicht. Dem einen nachzurennen wäre falsch gewesen, und der Score hat beide gleich gewichtet.

Er fragt sich: Was brauche ich mindestens, damit der Score etwas aussagt, womit ich entscheiden kann?

Was man mindestens braucht, damit der Score etwas aussagt

Wer

Ein guter Kundenmix.Mit dem Vertrieb ausgewählt: groß und klein, alt und neu, damit jede Kundengruppe vorkommt.

Interview

Das Kundeninterview, jedes Quartal.Voice of Customer läuft meist ein- bis zweimal im Jahr. Regelmäßig geht es über den Kundenservice: fünf Fragen, die erste: Was brauchen Sie künftig wirklich?

Verbinden

Der Score neben der Kundenrealität.Die Antworten kommen neben Umsatz und Retouren je Kundengruppe, denn der große Kunde sagt etwas anderes als der kleine.
11 · Spur B: Wenn es doch passiert

Und wenn der Score trotzdem fällt? So könnte der Weg aussehen

01ZuhörenWas sagen die Kunden, die es betrifft?
02VerbindenWas zeigen Ablauf und Zahlen dazu?
03EinordnenEinzelfall oder Muster?
04ReagierenWer meldet sich bei welchem Kunden, und bis wann?
05VerankernWas ändert sich im Alltag, damit es bleibt?
12 · Klaus' Schluss
Klaus hat jetzt beides

Der Score sagt Klaus, wie es war. Das Interview sagt ihm, was kommt. Umsatz und Retouren zeigen, wie viel es wiegt. In der nächsten Runde liegt die Tabelle neben dem Score, und die Runde beginnt mit dem Kunden statt mit den Erklärungen.

Sind wir nicht alle ein bisschen Klaus?
13 · Das können Sie mitnehmen

Das können Sie mitnehmen

01Der Score fragt nach gestern, das Interview nach morgen.
02Wer jedes Quartal fragt, hat den Kunden am Tisch.
03Verschiedene Kundengruppen brauchen Verschiedenes. Feedback wird gewichtet.
33now · Umsetzungswerkstatt · Voice of Customer
14 · Weiter

Wenn Sie wollen, machen Sie es wie Klaus: Rufen Sie diese Woche drei Kunden aus verschiedenen Gruppen an. Fragen Sie nur eines: Was brauchen Sie in der Zusammenarbeit mit uns in Zukunft wirklich?

Wenn Sie ein Thema einmal aus Sicht Ihrer Kunden, Ihres Alltags und Ihrer Zahlen zusammenbringen wollen:
30 Minuten offener Austausch.

Nächstes Thema: Voice of Customer selbst bauen.